Du arbeitest als Elektriker, Messtechniker oder bist ein technisch interessierter Heimwerker. Bei vielen Strommessungen begegnet dir ein kleines, aber wichtiges Detail: die Burden Voltage. Sie entsteht immer dann, wenn der gemessene Strom durch ein Messgerät oder einen Messwiderstand fließt. Typische Situationen sind Messungen mit der Stromzange, Messungen über Stromwandler (CT) in Verteilungen und Messungen über Shunts bei hohen Strömen.
Warum ist die Burden Voltage relevant? Sie beeinflusst die Messgenauigkeit. Eine zu hohe Spannung am Sekundärkreis eines CT verändert das Verhältnis von Primär- zu Sekundärstrom. Sie führt zu zusätzlicher Wärmeentwicklung in Shunts und Messwiderständen. Und sie kann beim CT eine erhöhte Flussdichte auslösen, die bis zur CT-Sättigung führt. Dann stimmen die Messwerte nicht mehr und gefährliche Messfehler entstehen.
In diesem Artikel erfährst du, wie du die Burden Voltage richtig einordnest. Du bekommst Hinweise, welche Werte in der Praxis problematisch sind. Du lernst, wie du die Burden an deinem Messaufbau misst. Du erfährst, wie du die Belastung senken kannst und worauf du bei der Auswahl von CTs, Stromzangen oder Shunts achten musst. Am Ende kannst du konkrete Messfehler erkennen und vermeiden. Praktische Tipps und leicht nachvollziehbare Prüfverfahren helfen dir dabei, sichere und genaue Messungen durchzuführen.
Technische Grundlagen zur Burden Voltage
Die Burden Voltage ist die Spannung, die am Sekundärkreis eines Strommessers entsteht, wenn Strom hindurchfließt. Sie entsteht immer dann, wenn ein Strom durch einen Widerstand fließt. Bei Shunts ist dieser Widerstand der Messwiderstand selbst. Bei Stromwandlern, auch CT genannt, ist es die Impedanz des Sekundärkreises inklusive Anschlussleitungen und angeschlossener Messgeräte.
Wie entsteht die Burden Voltage
Die Entstehung ist einfach. Strom I fließt durch einen Widerstand R. Das ergibt eine Spannung V nach der Formel V = I × R. Bei einem Shunt ist R die eigentliche Widerstandskonstruktion. Bei einem CT ist R die Summe aller Einflüsse im Sekundärkreis. Dazu gehören Messgeräte, Zuleitungen und gegebenenfalls Zusatzwiderstände.
Berechnung und praktische Zahlen
Die Formel V = I × R gilt immer. Ein Beispiel: 5 A durch einen Shunt mit 10 mΩ ergeben 0,01 Ω × 5 A = 0,05 V. Bei CTs rechnet man oft mit der VA-Angabe. Die maximale zulässige Burden-Spannung Vmax berechnet sich aus der VA-Belastbarkeit geteilt durch den Sekundärstrom. Ein CT mit 5 VA und 5 A Sekundärstrom darf etwa 1 V treiben. Das entspricht einem Gesamtwiderstand von 0,2 Ω.
Auswirkungen auf Messfehler
Eine zu hohe Burden Voltage führt zu mehreren Problemen. Erstens entsteht ein Verhältnisfehler. Das Verhältnis von Primär- zu Sekundärstrom weicht vom Soll ab. Zweitens kann es zu Phasenverschiebung kommen. Das beeinflusst Leistungsmessungen. Drittens steigt die Wärmeentwicklung in Shunts. Die Erwärmung ändert den Widerstand. Das führt zu weiteren Messabweichungen.
CT-Rating und Shunt-Konstruktion
Das CT-VA-Rating gibt an, wie viel Last ein CT treiben darf, ohne die spezifizierte Genauigkeit zu verlieren. Ist die Belastung höher, steigt die Magnetisierungsstromanteil. Das bringt die Kernflutung näher und verursacht Sättigung. Sättigung macht die Messung unbrauchbar.
Bei Shunts sind zwei Dinge wichtig. Erstens der niedrige, stabile Widerstand. Zweitens der Temperaturkoeffizient. Gute Shunts sind so gebaut, dass sie bei Erwärmung kaum ihren Widerstand ändern. Achte außerdem auf die maximale Verlustleistung P = I² × R. Große Ströme brauchen größere, besser kühlbare Konstruktionen.
Praxistaugliche Hinweise für Kauf und Anwendung
Wähle ein CT mit ausreichender VA-Reserve. Rechne die erwartete Last aus und vergleiche sie mit der VA-Angabe. Kürzere Sekundärleitungen reduzieren die Burden. Verwende verdrillte und möglichst dicke Leiter. Achte bei Stromzangen auf die Angabe mV/A oder die erlaubte Burden Voltage. Bei Shunts prüfe den Temperaturkoeffizienten und die mechanische Bauform. Stelle sicher, dass die Verlustleistung abgeführt wird.
Miss die Burden Voltage, wenn möglich, unter realen Bedingungen. Messe die Spannung am Messwiderstand bei bekanntem Laststrom. So erkennst du, ob die Werte innerhalb der zulässigen Grenzen bleiben. Vermeide das Öffnen des CT-Sekundärkreises unter Last. Das kann gefährlich sein und zu hohen Spannungen führen.
Praktische Einordnung erlaubter Burden Voltage-Werte
Bevor du Werte vergleichst, hilft eine kurze Orientierung. Die Burden Voltage ist nicht per se schlecht. Entscheidend ist, wie hoch sie im Verhältnis zur Spezifikation des Messgeräts oder CTs ist. Hohe Burden-Werte führen zu Verhältnisfehlern, Phasenverschiebung und stärkerer Erwärmung. Bei CTs droht zusätzlich Kernsättigung. Die folgende Tabelle zeigt typische Messmethoden und gibt ungefähre Burden-Bereiche, Vor- und Nachteile sowie klare Empfehlungen und Faustregeln. Nutze die Beispiele, um schnell einzuschätzen, ob dein Messaufbau im grünen Bereich liegt oder ob du handeln musst.
| Komponente / Messmethode | Typische Burden-Werte | Vorteile | Nachteile | Empfehlung / Grenzwert |
|---|---|---|---|---|
| Stromzange (Induktiv) | typisch: mV/A-Bereich, grob 1 mV/A bis 100 mV/A | Einfach zu nutzen. Kein Öffnen des Stromkreises nötig. Gut für Feldmessungen. | Bei höheren mV/A-Werten geringe Genauigkeit. Messfehler bei kleinen Strömen. | Für präzisere Arbeiten <10 mV/A anstreben. Für grobe Prüfungen sind bis 100 mV/A akzeptabel. |
| Präzisionsshunt (Darlington, Messshunt) | typisch: 50 mV oder 100 mV bei Nennstrom; Spannung fällt linear mit Strom | Sehr stabil und reproduzierbar. Gut für DC und hohe Ströme. Einfache Kalibrierbarkeit. | Erzeugen Verlustleistung und Wärme. Erfordern Messverstärker oder DMM mit passender Eingangsspannung. | Wähle Shunts mit geringer Nennspannung (z. B. 50 mV) und niedrigem Temperaturkoeffizienten. Belastung nie über Nennstrom betreiben. |
| Messwandler / CT (klassische Stromwandler) | typisch: VA-Angabe z. B. 5 VA, 10 VA. Vmax = VA / Sekundärstrom (z. B. 5 VA / 5 A = 1 V) | Hohe Strombereiche abbildbar. Geeignet für Messung in Schaltanlagen und für Abrechnung. | Zu hohe Burden-VA führt zu Verhältnisfehlern und CT-Sättigung. Leitungsimpedanzen addieren sich. | Faustregel: aktuelle Belastung ≤ 20 bis 50% der VA-Angabe für gute Genauigkeit. Beispiel: 5 VA, 5 A Sekundärstrom → Ziel Burden ≤ 0,2 V für hohe Genauigkeit. Höchstens V ≤ 0,5 V, sonst prüfen. |
| Hall-Sensor / Rogowski | typisch: nahezu kein konduktiver Burden; Ausgangsspannung oder -strom abhängig vom Sensor | Kein CT-Sättigungsrisiko. Gut für DC-Messung (Hall) oder sehr hohe Ströme (Rogowski). | Benötigen oft Hilfsspannung oder Integrator. Bei Rogowski kein DC-Anteil messbar. | Bei DC-Messungen Hall-Sensoren bevorzugen. Für AC-Bewertung ohne Sättigung Rogowski nutzen und Integrator korrekt dimensionieren. |
Konkrete Prüf- und Entscheidungsregeln
- Formel nutzen: V = I × R gilt immer. Oder bei CT: Vmax = VA / Is. Damit rechnest du schnell, ob die Last im zulässigen Bereich liegt.
- CT-Faustregel: Halte die tatsächliche VA-Last unter 20 bis 50 Prozent der Nenn-VA, um Verhältnis- und Phasenfehler gering zu halten.
- Shunt-Faustregel: Verwende Shunts mit niedriger Nennspannung (z. B. 50 mV) für Messungen, bei denen Erwärmung den Fehler erhöhen würde. Prüfe die Verlustleistung P = I² × R.
- Stromzangen: Für präzise Messungen strebe geringe mV/A-Werte an. Für schnelle Checks sind höhere mV/A-Werte akzeptabel.
Zusammenfassung: Berechne zuerst die erwartete Burden Voltage mit V = I × R oder V = VA / Is. Vergleiche das Ergebnis mit der VA-Angabe des CT bzw. mit den Spezifikationen des Messgeräts. Als Praxisregel gilt: halte die Belastung deutlich unter der maximalen VA-Angabe, idealerweise unter 20 Prozent für hohe Genauigkeit. Nutze Shunts bei hohen Strömen und Hall- oder Rogowski-Sensoren, wenn du Sättigung vermeiden oder DC messen musst. Kürzere, dickere Leitungen und niedrige Anschlussimpedanz reduzieren Burden und verbessern die Messung.
Häufige Fragen zur Burden Voltage
Was ist Burden Voltage?
Die Burden Voltage ist die Spannung, die am Messwiderstand oder im Sekundärkreis eines Stromwandlers entsteht, wenn Strom fließt. Sie folgt der einfachen Formel V = I × R. Bei CTs entsteht sie zusätzlich durch Leitungs- und Messeingangsimpedanzen. Die Burden spiegelt also die Last wider, die das Messsystem dem Stromkreis entgegensetzt.
Welche Werte sind sicher bzw. akzeptabel?
Es gibt keinen einheitlichen Grenzwert für alle Fälle. Für präzise Messungen solltest du bei CTs die tatsächliche VA-Last deutlich unter 20 bis 50 Prozent der Nenn-VA halten. Praktisch bedeutet das oft Zielwerte unter etwa 0,2 V bei 5 A-Sekundärstrom für hohe Genauigkeit. Für einfache Prüfungen sind höhere Werte tolerierbar, solange keine Sättigung oder übermäßige Erwärmung auftritt.
Wie messe ich die Burden Voltage praktisch?
Schließe ein Voltmeter direkt über dem Messwiderstand oder am Sekundärausgang des CT an. Führe einen bekannten Laststrom und notiere die gemessene Spannung. Rechne zur Kontrolle mit V = I × R beziehungsweise bei CTs mit Vmax = VA / Is. Öffne niemals den CT-Sekundärkreis unter Last.
Wie beeinflusst die Burden Voltage CT-Genauigkeit und Sicherheit?
Hohe Burden erhöht den Magnetisierungsstrom des CT. Das kann zu Verhältnisfehlern und Phasenverschiebungen führen. Bei zu hoher Belastung droht Kernsättigung, was Messwerte stark verfälscht. Aus Sicherheitsgründen erzeugt ein offener CT-Sekundärkreis bei Last gefährlich hohe Spannungen.
Wie kann man die Burden Voltage reduzieren?
Verkürze und verdopple die Sekundärleitungen mit ausreichend Querschnitt, um Leitungsimpedanz zu senken. Wähle CTs mit höherer VA-Reserve oder verwende Hall-Sensoren beziehungsweise Rogowski-Spulen, um Sättigung zu vermeiden. Bei Shunts setze auf niedrigere Nennspannungen und gute Kühlung. Prüfe und messe die Burden bei realen Betriebsbedingungen.
So ermittelst und bewertest du die Burden Voltage bei einer Strommessung
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Vorbereitung und Sicherheitschecks
Schalte die Anlage nach Möglichkeit stromlos oder bring sie in einen sicheren Messzustand. Trage geeignete Schutzausrüstung. Prüfe, ob dein Messgerät für die zu messenden Spannungen und Ströme zugelassen ist. Öffne niemals den Sekundärkreis eines CT unter Last. Notiere die Nennwerte des CT oder Shunts vorab.
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Messpunkte festlegen
Bei Shunts misst du die Spannung direkt über dem Shuntanschluss. Bei CTs misst du am Sekundärausgang, also an den Anschlusspunkten des Sekundärkreises. Schließe das Voltmeter symmetrisch an. Achte darauf, dass die Messleitungen kurz und dick sind, um Zusatzimpedanz zu vermeiden.
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Messgerät-Einstellungen
Stelle ein Digitalvoltmeter auf geeigneten Spannungsbereich ein. Nutze bei kleinen Spannungen einen Millivoltbereich oder einen Tieferbereich mit höherer Auflösung. Verwende bei CT-Messungen ein Differenz- oder Isolationsmessgerät, falls notwendig. Prüfe vorab die Genauigkeit des Messgeräts mit einer Referenzquelle.
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Messung durchführen
Erzeuge oder nutze einen bekannten Laststrom im Primärkreis. Messe die Spannung am Shunt oder an der CT-Sekundärseite unter dieser Last. Notiere Strom und gemessene Spannung. Halte die Messdauer kurz, um Erwärmungseinflüsse zu minimieren.
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Berechnung der Burden Voltage und pro-Ampere-Angabe
Nutze V = I × R beziehungsweise R = V / I. Beispiel: Bei 5 A Sekundärstrom misst du 0,2 V. Dann ist R = 0,2 V / 5 A = 0,04 Ω. Die Burden pro Ampere beträgt 0,2 V / 5 A = 0,04 V/A oder 40 mV/A. Bei CTs kannst du alternativ Vmax = VA / Is rechnen.
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Gegenprüfung mit Herstellerangaben
Vergleiche deine gemessene Burden mit der VA-Angabe des CT oder den Spezifikationen des Shunts. Rechne prozentualer Anteil: gemessene V geteilt durch zulässige V aus VA-Angabe. Dokumentiere Abweichungen und Messeingangsbedingungen. Bei Unsicherheit kontaktiere den Hersteller oder ein Prüflabor.
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Bewertungsskala und Entscheidung
Orientiere dich an einer Praxisregel: unter 20 Prozent der Nenn-VA gilt als gut. Zwischen 20 und 50 Prozent gilt als warnend. Über 50 Prozent ist in der Regel zu hoch und kann zu Sättigung oder hohen Fehlern führen. Bei Shunts bewerte zusätzlich die Verlustleistung P = I² × R.
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Maßnahmen bei zu hoher Burden
Reduziere Leitungswiderstand durch kürzere und dickere Verbindungen. Verwende ein CT mit höherer VA-Reserve oder wechsle zu Hall- bzw. Rogowski-Sensoren. Wähle Shunts mit niedrigerer Nennspannung oder bessere Kühlung. Wiederhole die Messung nach jeder Änderung.
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Abschlussprüfungen und Dokumentation
Erstelle einen Messbericht mit Strom, gemessener Spannung, berechnetem R und Bewertung. Notiere Messgerät, Messbereich und Umgebungsbedingungen. Kennzeichne kritische Befunde und empfehle Abhilfemaßnahmen. Bewahre die Messdaten für Vergleiche auf.
Wichtige Warnungen: Öffne niemals einen CT-Sekundärkreis unter Last. Miss keine Spannung mit nicht isolierten Messspitzen an spannungsführenden Teilen ohne Schutz. Bei Zweifel arbeite mit einer zweiten Person oder einem qualifizierten Kollegen zusammen.
Glossar: Wichtige Begriffe zur Burden Voltage
Burden Voltage (Burden-Spannung)
Die Burden Voltage ist die Spannung, die am Messwiderstand oder im Sekundärkreis eines Stromwandlers entsteht, wenn Strom fließt. Sie zeigt an, wie stark das Messsystem den Stromkreis belastet und beeinflusst direkt Messgenauigkeit und Wärmeentwicklung.
Burden- bzw. Belastungswiderstand
Der Burden- oder Belastungswiderstand ist der elektrische Widerstand, über den der Messstrom läuft und an dem die Burden Voltage entsteht. Er umfasst den Shunt, Leitungswiderstände und die Eingangsimpedanz von Messgeräten und bestimmt zusammen mit dem Strom die Burden Voltage.
Shunt (Messwiderstand)
Ein Shunt ist ein niederohmiger Widerstand, der Strom in eine messbare Spannung umwandelt. Er ist besonders bei hohen Strömen praktisch, weil er stabile, reproduzierbare Spannungen liefert, aber er erzeugt auch Verlustleistung und Wärme.
Stromwandler / CT
Ein Stromwandler, kurz CT, wandelt hohe Primärströme in einen definierten Sekundärstrom um, der einfacher messbar ist. CTs haben eine VA-Angabe, die beschreibt, welche Burden sie treiben dürfen, ohne Genauigkeit oder Linearität zu verlieren.
Verhältnisfehler (Ratio Error)
Der Verhältnisfehler bezeichnet die Abweichung des gemessenen Stromverhältnisses vom idealen Verhältnis zwischen Primär- und Sekundärstrom. Er steigt, wenn die Burden Voltage zu hoch ist, weil dann der Sekundärstrom nicht mehr exakt dem erwarteten Verhältnis folgt.
Phasenfehler (Phase Shift)
Der Phasenfehler beschreibt eine Verschiebung zwischen Strom- und Spannungsphase, die durch Induktivitäten und Widerstände im Sekundärkreis entsteht. Diese Verschiebung beeinflusst vor allem Leistungsmessungen und steigt bei hoher Burden Voltage oder schlechter Anschlussimpedanz.
